Zur Wirtschaftslage in China

Marktchancen in China für deutsche Unternehmen

Bei seinem ersten Besuch in Deutschland seit drei Jahren gewährt Jochen Tenhagen Einblicke in die derzeitige Lage deutscher Unternehmen im German Centre Beijing.

Der größte Markt der Welt hat noch viel Potenzial

Mehr als 1.000 Tage hatte die Null-Covid-Strategie alle Lebensbereiche in China geprägt, bevor sich das Geschäftsleben im ersten Quartal 2023 wieder zu normalisieren begann. Deutsche Manager reisten wieder nach China, um ihre Tochtergesellschaften zu besuchen, und chinesische Manager kamen wieder in die Firmenzentralen in Deutschland.

So wie Jochen Tenhagen, Geschäftsführer des German Centre Beijing. Im März kam er nach Deutschland, um sich mit den German Centre Partnern zu treffen. Außerdem traf er sich mit LBBW-Auslandskundenberatern und dem Team des German Centre Stuttgart, um über Perspektiven für deutsche Unternehmen in China zu sprechen. Hier sind einige der wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gespräch.

Jochen Tenhagen Germancentre Peking

Trotz allem, was wir über China hören und lesen, trotz der vergangenen drakonischen Covid-Politik, der geopolitischen Spannungen und der wirtschaftlichen und persönlichen Entkopplung zwischen dem Reich der Mitte und dem Westen ist und bleibt China ein wichtiger Markt für deutsche Unternehmen. Der Markt ist zu groß, um ignoriert zu werden, und hat noch Potenzial für viele deutsche Unternehmen. Für bestimmte Produkte ist China oft der größte Markt der Welt.

German Export Volume to China

German Export Volume to China

In den letzten Jahren sind die Exporte nach China nur noch leicht angestiegen. Quelle: Statisches Bundesamt

Nachfrage nach hochtechnologischen und innovative Lösungen

Lange Zeit war China für deutsche Unternehmen das gelobte Land, in dem Wachstum und Gewinne lockten, unabhängig davon, was sie produzierten oder investierten. Jetzt, wo der Markt gesättigt und die chinesischen Unternehmen wettbewerbsfähiger sind, ist das Umfeld schwieriger geworden. Heutzutage kommen nur noch diejenigen nach China, die ein klares Ziel vor Augen haben. Noch immer gibt es viele Gründe, die dafür sprechen in China geschäftstätig zu sein: Hohe Gewinnspannen, ungenutztes Marktpotenzial, die Nachfrage nach hochtechnologischen und innovativen Produkten und Dienstleistungen. Die neue Situation erfordert jedoch einige Überlegungen, denn China gilt heute als weniger berechenbar, weniger zuverlässig und weniger effizient.

Das richtige Gleichgewicht in einem unbeständigen Umfeld finden

Die Unternehmen sind mit zwei Risiken konfrontiert: dem Risiko, Geld zu verlieren, und dem Risiko, Chancen zu verpassen. Jedes Unternehmen muss hier sein eigenes Gleichgewicht finden und gegebenenfalls das eigene Risikomanagement anpassen, um sich gegen Risiken in der Lieferkette, im Markt oder auch geopolitischer Natur abzusichern.

China ist nicht einfach, und ausländische Unternehmen sehen sich mit vielen Hindernissen konfrontiert, wie zum Beispiel der mangelnden Durchsetzung von Rechten des geistigen Eigentums, Datenschutzgesetzen, zunehmender politischer Einflussnahme und Kontrolle, steigenden Personalkosten – die Liste der Hürden für deutsche Unternehmen ist lang, aber sie überwiegen nicht unbedingt die Vorteile einer Geschäftsbeziehung in und mit China. Die meisten Unternehmen werden den chinesischen Markt wahrscheinlich nicht aufgeben und sich auch nicht von China abkoppeln, sie werden ihren Schwerpunkt eher auf Risikominderung als auf Abkopplung verlagern. Die Unternehmen wissen, dass sie gut damit beraten sind, vorsichtiger zu sein und nicht alles auf eine Karte zu setzen.

Deutsche Unternehmen sollten heute wissen, dass China darauf abzielt, weniger abhängig von ausländischen Unternehmen zu werden und eine autarkere Wirtschaft zu haben. Gleichzeitig gibt es den ausdrücklichen politischen und strategischen Wunsch, ausländische Unternehmen und internationale Lieferketten von China abhängig zu machen, um Einfluss zu gewinnen.

In China für China und Diversifizierung

Um nicht von einzelnen Ländern und Lieferanten abhängig zu werden, denken Deutschland und deutsche Unternehmen über eine Diversifizierung ihrer Absatzmärkte, Produktionsstandorte, Lieferketten und Rohstoffquellen nach. Damit wären deutsche Unternehmen weniger verwundbar und die deutsche Wirtschaft sicherer. Der Aufbau einer neuen Lieferketteninfrastruktur ist jedoch eine komplexe Aufgabe, die hohe Kosten verursacht und viel Zeit in Anspruch nimmt. Es kann zehr oder mehr Jahre dauern, bis eine solche neue Struktur voll einsatzfähig ist.

Eine Möglichkeit, um diese Herausforderungen zu begegne, ist die Umsetzung einer „China plus eins„-Strategie. Viele Firmen denken darüber nach oder haben bereits damit begonnen, ihre Geschäfte in China zu lokalisieren oder zu isolieren, indem sie zwei getrennte Systeme schaffen – eines für China und eines für den Rest der Welt. Das bedeutet, dass Lieferketten, Daten, Humanressourcen, Forschung und Entwicklung separat für China organisiert werden. In China hergestellte Produkte und Komponenten werden dann nur in China verwendet und verkauft. Auf diese Weise verringern die Unternehmen ihre Abhängigkeit von chinesischen Fabriken für im Ausland verkaufte Waren und minimieren das Risiko, dass potenzielle Probleme in China die gesamte Unternehmensexistenz in Gefahr bringen.

Ein Schlüssel zum Erfolg: Seien Sie einzigartig!

Der zukünftige Erfolg hängt davon ab, ob man für China nützlich ist. Wenn Unternehmen etwas Einzigartiges haben, das China will und braucht, dann können sich alle Türen öffnen. Das Land begrüßt diejenigen Unternehmen, die in seine strategischen Pläne passen und Zukunftstechnologien und -industrien fördern. Beispiele sind grüne Technologien und das Gesundheitswesen oder die Schlüsselindustrien von „Made in China 2025“, z. B. Elektromobilität, Robotik, Biopharmazie oder moderne Produktionsverfahren (Advanced Manufacturing).

Mehr Unabhängigkeit von China lässt sich nicht durch Abgrenzung erreichen, sondern nur durch mehr Wettbewerbsfähigkeit und Technologieführerschaft. Die Unternehmen sind gut damit beraten, sich auf ihre eigenen Stärken zu besinnen und darauf, wie sie diese Stärken ausbauen und an die neuen Bedingungen anpassen können. Wir sollten China als Ansporn sehen, selbst besser und innovativer zu werden.

J. Tenhagen

Als internationale Geschäftsbank begleitet die LBBW ihre Unternehmenskunden weltweit, die German Centres vermitteln ihr Know-how vor Ort. Durch den ständigen Austausch mit ihren Kunden, Partnern und Institutionen wissen sie, vor welchen besonderen Herausforderungen und Chancen Unternehmen in ausländischen Märkten stehen.

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